Eine Stunde

Eine Stunde kann über vieles entscheiden. Eine Stunde kann ein Leben retten oder auch beenden.
Im Februar war es für meine Mutter eine besagte Stunde, in der sie sehr viele Schutzengel gehabt hat.

Ich habe mich dazu entschlossen meinen geschriebenen Text doch zu veröffentlichen, um zu zeigen, dass Rückenschmerzen nicht immer von den Muskeln oder der Wirbelsäule kommen müssen. Der Text ist Anfang/Mitte Februar entstanden und nicht auf dem aktuellsten Stand. Den aktuellen Stand werde ich in einem weiteren Beitrag veröffentlichen.

„Letzte Woche fand ich meine Mutter in ihrem Bett schwitzen und schwer atmend. Meine Schwester und mein Vater hatten beide schon versucht sie zum Arzt zu bringen. Ich war nur vom Stall rüber gegangen, weil sie mir auf meine Chatnachricht nicht geantwortet hatte, was untypisch war.

Sie war wie immer und sagte nur „lasst mich alle in Ruhe“. Ich wurde dann ziemlich sauer und habe zu ihr gesagt, dass sie doch bestimmt wieder fit sein möchte für Freitag (Freitag sollte die Hochzeit sein). Ich rief den Hausarzt an, die mich anmaulten, weil ich meine Mutter so spät bringen wollte.

Meine Mutter hatte starke Schmerzen und stöhnte bei jeder Bewegung und bei jedem Schlagloch auf. Beim Hausarzt mussten wir nicht wie angekündigt lange warten. Da sie nur über Rückenschmerzen klagte, wurde gesagt, sie soll Novamin Tropfen nehmen und am nächsten Tag wiederkommen.

Ich brachte sie am Dienstag wieder zum Hausarzt. Da sie wieder besser laufen konnte und auch etwas Farbe im Gesicht hatte, schickte er sie nach Hause. In einer Woche wiederkommen, bis dahin die Tropfen nehmen.

Mittwoch hörte ich gar nichts von meiner Mutter. Abends bin ich dann wieder hin. Mein Papa hatte morgens im Stall schon gesagt, dass er endlich wissen will, was das ist und das etwas passieren muss, aber sie keinen an sich ran lässt. Als ich abends in ihr Zimmer kam, sagte sie mir, dass die Schmerzen wieder ganz schlimm seien und weder Novamin noch Ibuprofen helfen.

Ich wurde dann richtig wütend und habe sie angemault, dass sie sich von Papa nicht zum Arzt bringen lassen hat oder mich nicht angeschrieben hat. Sie wollte uns doch gar nicht so viel Ärger machen und sah mich mit einem Blick an, der mich schlucken ließ. Dieser Blick schnürte mir meine Kehle ab. Es ist einer von den Momenten, wo einem die Tränen in die Augen schießen, man eine scheiß Angst bekommt, weil man einen geliebten Menschen leiden sieht und nicht weiß, was los ist. Zumal hatte ich plötzlich meine Oma und meine Omi vor Augen, die beide in Ihrem Bett saßen, Schmerzen hatten und im Krankenhaus landeten. Meine Omi starb im Krankenhaus und meine Oma kam als Pflegefall zurück, der nach etwas über einem Jahr verstarb.

Sie willigte ein, dass ich sie Donnerstagmorgen zum Orthopäden bringen dürfe. Ok, ich habe auch ganz klar gesagt, wenn sie nicht zum Arzt, bzw. ins Krankenhaus geht, dann sage ich die Hochzeit ab. Also wartete ich ab 7:40 Uhr vor der Tür beim Orthopäden in der Warteschlange. Kurz vor acht kam meine Mutter aus dem Auto dazu. Das es ihr nicht gut geht, merkte man daran, dass sie rein ging und sich hinsetzte. Sie wurde als Notfall dann zum Arzt gelassen. Zum Glück sagte meine Mutter dem Arzt, dass sie Bauchschmerzen habe. Daraufhin hatte er ein Röntgenbild vom Rücken gemacht und vom Bauch, weil ihm das zu unheimlich war. Im Bauch war sehr viel Luft zu sehen. Er redete dann überwiegend mit mir und erklärte mir, dass das unbedingt abgeklärt werden muss. Ich sagte zu Mama, dass ich mit ihr zum Hausarzt fahre. Da ist auch ein Gastroenterologe mit bei. Sie murrte und der Arzt sagte ihr, dass er ihr etwas gegen die Rückenschmerzen gibt, sie aber das unbedingt abklären lassen muss.

Beim Hausarzt war binnen 5 Minuten ein Arzt da, der einen zweiten holte. Sie wurde dann als Krankentransport ins Klösterchen gebracht – Verdacht auf Darmverschluss.
Da Business Kasper und ich am nächsten Tag heiraten wollten, hatte er früh Feierabend gemacht, bzw. nach meinem Anruf, als ich vom Orthopäden zurück war, machte er fast sofort Feierabend. Als meine Mutter dann auf dem Weg ins Klösterchen war, bin ich zu ihnen nach Hause, wo meine Schwester schon wartete. Wir haben zusammen eine Tasche gepackt und Business Kasper informierte meine Tante, die schon auf dem Weg nach Thüringen war, wo wir heiraten wollten. Geplant war eigentlich, dass meine Eltern und meine Tante und mein Onkel, an dem Donnerstag dort im Hotel schon zusammen essen wollten. Einfach stressfrei am nächsten Tag vor Ort sein. Auch sagte er auf Wunsch meines Vaters (es ist Wahnsinn um was sich Menschen Gedanken in solchen Situationen plötzlich machen) das Hotelzimmer ab.

Meine Schwester hielt Stellung zu Hause und wir fuhren ins Krankenhaus, wo ich kurz in das Zimmer schauen durfte, wo mein Vater neben meiner Mutter am Bett saß. Die erste Untersuchung war schon durch und sie hatte ein Schmerzmedikament bekommen, was sie wieder etwas besser atmen ließ.

Wir waren eine Weile im Krankenhaus und als mein Vater dann zu uns in den Wartebereich kam, gaben wir ihm etwas zu trinken und zu essen, obwohl er nicht wirklich etwas zu sich nehmen wollte. Wir einigten uns darauf, dass er anruft, wenn er nach Hause geholt werden möchte.

Wir waren gerade auf dem Weg zum Stall, Ponys versorgen, als mein Vater anrief. Sehr langsam und leise, wahrscheinlich mit einem Lächeln auf den Lippen damit er nicht weinen muss, teilte er mir mit, dass meine Mutter einen Riss in der Hauptschlagader (Aortendissektion) hat und sie jetzt rumtelefonieren, wo sie hin verlegt werden kann, da der Professor ihm gesagt hat, dass er da nicht ran geht.

Wir versorgten nur kurz die Ponys und fuhren ins Krankenhaus. Dort saßen wir mit meinem Vater an dem Bett meiner Mutter und warteten darauf, was nun passiert. Auch das Klinikum BielefeldMitte lehnte ab, nachdem sie die Bilder gesehen hatten. Daraufhin wurde Münster gefragt. Münster sagte ja und abends um viertel vor acht fuhr sie dann mit meinem Papa im Krankentransport nach Münster.

Dort hieß es dann am Freitag, der Blutdruck muss runter und in zehn Tagen machen wir den Riss zu.

Samstag hatte sie dann noch Besuch von meinem Vater, meiner Schwester und meiner Nichte, so wie meiner Tante und meinem Onkel. Ich hatte mit meinem Vater besprochen, dass wir zusammen Sonntag hinfahren.

Sonntag stehen Business Kasper und ich an ihrem Bett und ich dachte schon, die Markierungen und ihr Erscheinungsbild, sieht nach einem Eingriff aus. Da sagt sie uns, dass sie Samstagabend operiert wurde.

Sie durfte aufs Klo und hatte dabei starke Rückenschmerzen bekommen. Es wurde sofort ein Arzt gerufen, der sie ins CT begleitete. Dort kam ein zweiter Arzt hinzu. CT war fertig und sie ist in Begleitung der Ärzte direkt in den OP gekommen.

Der Riss im Brustbeinbereich war jetzt bis zum rechten Bein aufgegangen. Er ist jetzt verschlossen, trotzdem wird sie streng überwacht.“

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