Wenn jemand mir jetzt sagt, du wirkst klarer im Kopf und im Ganzen bist du besser drauf, warum bist du dann nicht berufstätig, warum hast du deine Umschulung nicht abgeschlossen, dann kann ich ihm im Moment keine Antwort darauf geben, außer
Ich arbeite noch da dran….
Ich hatte nach der Therapie einen Plan, wie ich mein Leben in den Griff bekommen wollte und durfte dann sehr schnell lernen, dass ich planlos unterwegs bin und manche Dinge zwar runder laufen, aber dann meine diversen Grunderkrankungen in irgendeiner Form sich meldeten und mich dadurch ausbremsten.
Alles Ausreden. Klar, könnte man sagen, wenn ich mal wieder nicht meinen Tag oder vielleicht die Woche so schaffe, wie es andere Menschen schaffen würden.
Ich sehe es allerdings mittlerweile so, dass ich viele Dinge verpasst habe, die für andere selbstverständlich waren und die ich nun noch lernen musste und muss. Alleine so etwas, ist schwerer zu bewältigen als eine Grippe, denn man wird immer wieder damit konfrontiert, da gibt es diese Vergangenheit, die dann sagt, du kannst nicht so tun, als gäbe es mich nicht, denn ich gehöre zu dir.
Was für mich immer noch schwer ist, obwohl es etwas besser geworden ist, ich muss lernen und teilweise muss ich das auch heute noch, dass ich mich strukturieren muss. Dies führt sehr häufig dazu, dass ich meinen Tag plane und dann mittendrin dastehe und mich frage, wofür mache ich das alles? Ich sehe Menschen, die in meinem Alter sind und besser im Leben stehen, als ich – das ist sehr frustrierend. Ich stecke den Kopf dann nicht in den Sand, weil meine Tagesplanung dann hin ist. Hier hat die Therapie schon geholfen, da ich dann nicht Stunden oder Tage diesen „gescheiterten“ Moment im Kopf habe. Die Therapie hat an solchen Stellen geholfen und ist für genau so etwas dann auch da. Was die Therapie nicht schafft, dass die Vergangenheit hier und da einen plötzlich und unerwartete einholt, wie zum Beispiel plötzlich alte Bekannte im Laden treffen, die einen dann auf Dinge ansprechen, die damals passiert sind.
Wenn mich meine Vergangenheit geplant einholt, dann habe ich „Werkzeuge“ in der Therapie an die Hand bekommen, wie ich die Situation bewältige. Wenn ich zum Beispiel geplant an Orte komme, die sehr negativ belastet sind, weiß ich, was ich tun muss, um meinen Körper zu beruhigen und aus der Situation rauszuholen. Genau in den Momenten ist dann wieder klar,
die Therapie hilft, sie macht aber aus einem kaputten Menschen keinen gesunden, sondern einen teilweise funktionierenden Menschen.