Ich verstehe heute auch, warum meine Mutter in vielen Dingen mir gegenüber „aufgegeben“ hatte. Ich selbst komme an meine Grenzen, was die Kinder von Kasper angeht, die mittlerweile in Vollzeit bei uns leben. Ich höre immer wieder „ihr seid da ja nicht reingewachsen! Ihr habt Teenager ins Haus bekommen, die eine andere Lebensweise kennen“. Es tröstet mich nicht, denn ich denke immer, es wird doch von den Kindern erwartet, dass die Erwachsenen es richtig machen, ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit geben und richtungsweisend sind. Damit meine ich nicht, die Richtung diktieren, eher den Teenagern Fragen stellen und gewisse Dinge mitgeben, an die sie denken sollten. Klar wirkt das belehrend, jedoch sollte man ruhig darauf hinweisen, dass sie auch noch nicht so alt sind, wie wir und, dass wir einfach mehr erlebt haben und sie (sehr wahrscheinlich) in ein paar Jahren uns dann Dinge erklären können, die wir so nicht erlebt haben und vielleicht auch nicht verstehen.
Zumindest scheinen die beiden Jungs eines von mir mitbekommen zu haben, reden!
Ich meine damit nicht zu schweigen, sondern wirklich mal darüber reden, wenn man etwas nicht versteht oder eine andere Sichtweise hat. Vielleicht auch mal den Mut zu haben zu sagen: „Das finde ich jetzt nicht nett von dir, da du damit meine Gefühle verletzt hast.“
Was verspreche ich mir davon? Ich denke, es gibt viele Situationen, wo die Kinder nicht verstehen können, warum ich in manchen Situationen vielleicht nicht „normal“ reagiere. Mir ist dann immer wichtig, dass sie verstehen, dass das was sie als Reaktion auslösen, nicht an ihrer Persönlichkeit liegt, sondern einfach an einem Trigger, den sie unbewusst durch eine Äußerung, Geste, Geruch oder eine Bewegung bei mir auslösen. Mittlerweile merke ich dann selber, dass meine Reaktion für andere irritierend ist und spreche es aktiv an. Dazu gehe ich nicht in das Detail, sondern sage nur „Tut mir leid, du hast nichts falsch gemacht! Ich habe dich auch verstanden. Irgendwas hat mich nur gerade so sehr irritiert, dass ich jetzt so reagiert habe.“
Beide Jungs wissen, ich gehe in keine Details was meine Vergangenheit angeht und würde auf Nachfragen nicht reagieren. Dies dient einzig und allein zu ihrem eigenen Schutz.