Klingt doch einfach, oder? Warum hatte ich dann Zweifel, es zu versuchen?
Wir waren dieses Jahr im Frühjahr in Österreich und am siebten Tag landete ich in der Notaufnahme. Ich habe lange gebraucht, um mich zu erholen und dementsprechend war da immer im Kopf
„was ist, wenn es wieder passiert?“
Diese Woche habe ich dann meine erste Wanderung gestartet. Heute ist es ja so einfach, man nimmt sein Handy und plant einfach die Route oder man bekommt etwas vorgeschlagen. Hier fragte ich mich schon das erste Mal, wie haben die Menschen das früher gemacht? Woher wussten sie, dass sie genau diesen Weg oder den anderen gehen mussten.
Nachdem ich mir einen 30l Rucksack gekauft hatte, fragt nicht, wie viel ich gelesen habe und wo man überall drauf achten sollte, habe ich mir sogar einen durch Zufall ausgesucht, der sich bei meiner Recherche als Testsieger von zwei Internetseiten (Bergsteigen und Wandern) rausstellte. Ich packte mir Wasser, Banane, Apfel, Regenjacke und ein Erste-Hilfe-Set ein – wer mich kennt, weiß warum 😉
Also zog ich los. Ich hatte die Route so geplant, dass ich schon nach 5 km wieder zu Hause sein könnte, wenn es sein müsste. Es gab noch drei weitere Möglichkeiten, wo ich hätte abkürzen können.
Warum auch immer, hatte ich einen Tag ausgesucht, wo das Wetter sich im Oktober von seiner schönsten Seite zeigte. Dementsprechend musste ich mich etwas zusammen reißen, dass ich nicht nur Fotos machte. Ich wollte ja ungefähr wissen, wie lange ich für eine gewisse Strecke brauche.
Es lief wirklich gut und ich brauchte selten die Karte. Ich war sehr überrascht, dass ich mir den Weg so gut merken konnte. Teilweise waren wir den Weg schon mit dem Fahrrad gefahren und immer wenn ich dachte, hier waren wir schon mal, ging es in eine andere Richtung.
Nach dem 4 km merkte ich, dass ich keine Lust mehr hatte das Handy rauszunehmen und die reinkommenden Nachrichten zu beantworten. Nach Kilometer 5 hätte mein Mann sich über die „Ruhe“ gefreut. Ab da hatte ich kein Bedürfnis mehr, zu reden, zu denken oder das Handy zu nutzen. Einfach nur rechts oder links schauen und den Moment genießen.
Bei Kilometer 6 fragte ich mich, ob ich besser zurück gehen sollte, da ich einfach schlapp war. Ich entschied mich weiter zu gehen und bei der nächsten Bank Pause zu machen. Dort angekommen stellte ich fest, dass der Rucksack anscheinend richtig saß. Ich merkte nur, dass der Druck auf der Hüfte weg war als ich den Rucksack abgesetzt hatte. Da fiel mir erst einmal richtig auf, dass ich den Rucksack so gut wie gar nicht wahrgenommen hatte. Es war nicht viel Gewicht drin, allerdings stört ein falsch sitzender Rucksack fast sofort.
Nicht umzukehren hatte sich gelohnt. Ich sah Plätze, die ich bisher nicht gesehen hatte, obwohl ich davon „nur“ 4 km entfernt wohne.
Die letzten zwei Kilometer war ich froh, dass ich früh losgegangen war, da die Sonne wirklich alles gab und mir recht warm wurde.
Insgesamt habe ich dann über 11 km Strecke zurückgelegt und dafür 3 Stunden und 20 Minuten gebraucht. Ich habe zwei längere Pausen eingelegt und bin oft stehen geblieben um Fotos zu machen. Ich würde sagen, dass war ganz ok.
Fazit: Es geht! Einfach Schuhe an und los. Zumindest habe ich von meinen ersten Versuch keinen größeren Schaden davon getragen als ich eh schon habe.





