Ein Schicksal namens Toby

Es gibt Momente, da kann ich nicht verstehen, dass andere Menschen sich über einen Schicksalsschlag, der ihnen einen Vorteil bringt, freuen können.

Ich bekam an einem Dienstagabend einen Anruf von einer Bekannten. Sie erzählte mir von einem Pony, welches sie schon länger kennt. 

„Der ist so sportlich und klein, wie deine. Ist ein lieber und sehr gepflegt!“

Mit diesen Worten wurde das Gespräch angefangen. Sie erzählte mir, dass der Besitzer verstorben sei und die Angehörigen nun ratlos seien und nicht wüssten, was sie mit dem Pony tun sollen.

Ich habe mehrfach betont, dass ich genug Tiere habe, mich aber gerne umhören kann. 

Nach dem ich mit Kasper gesprochen hatte, habe ich ihr geschrieben, dass die Leute sich bei mir melden können und ich dann schaue, was ich für sie tun kann.

Am nächsten Tag rief mich dann eine Dame an. Aus dem Gespräch konnte ich entnehmen, dass sie definitiv eine Lösung brauchten.

Am selben Abend fuhr ich dann zu dem Hof, um mir den Toby anzuschauen.

Nun stand ich in einer Box, wo locker drei Großpferde reingepasst hätten, mit dem kleinen schwarzen Toby und den Angehörigen.

Toby wirkte sehr aufgeschlossen und frech. Er war jedoch deutlich größer als ich erwartet hatte. Ich fragte die Angehörigen, was sie sich vorstellten. Ich wollte keine Verpflichtung eingehen, dass ich das Pony bis zum Tod behalten muss. Es war ihnen wichtig, dass er in Hände kommt, wo er beschäftigt wird. Ich erfuhr, dass der verstorbene ihn jeden Tag gefahren ist. Toby war seine Familie. Nun war der Mann fünf Tage vorher mit 65 Jahren plötzlich verstorben. Die Angehörigen waren von jetzt auf gleich aus Köln gekommen um nun einige Sachen zu regeln. Wie ich am nächsten Tag erfuhr, hatte der Besitzer von Toby Samstagmorgen in Köln angerufen und gesagt, dass es ihm nicht gut ginge. Daraufhin sind sie losgefahren. Während der Fahrt haben sie versucht ihn anzurufen, aber ohne Erfolg. Als sie ankamen, war Tobys Besitzer schon tot. Ich erfuhr, dass Toby sein Futter abgewogen bekam (genau wie bei uns), täglich in irgendeiner Form gearbeitet hat (wie ich es bei unseren Tieren auch versuche).

Da wir ein ähnliches Konzept bei den Ponys haben, verstand ich nun auch, warum ich angerufen wurde.

Ich entschied, dass ich Toby am nächsten Tag zu uns holen würde und dann schauen, was ich mit ihm mache.

Toby zog am nächsten Tag mit viel Zubehör zu uns. Da bekam ich dann schon die ein oder andere Äußerung, dass ich doch Glück hätte. Ein Pony geschenkt bekommen und dann noch das teure Zubehör. 

Ich kann mich auch heute noch nicht freuen, da ich die Trauer der Angehörigen gesehen habe.

Es gibt zwei Momente im Leben einer Familie, die sehr persönlich sind, wo man als Fremder nur stört.

Das ist die Geburt und der Tod.

Ich bin froh, dass ich durch meine Arbeit an der Kirche und die vielen Beerdigungen ein wenig „Übung“ habe. Ich behaupte jetzt mal, dass ich den Mittelweg gefunden habe, damit es für die Angehörigen nicht zu schwierig war.

Vielleicht bin ich auch zu „lieb“ für diese Welt. Ich habe halt einfach zu viel Skrupel dreist zu sein. Ich kann mich nicht an dem Leid anderer erfreuen.

Toby gibt sich Mühe mir zu gefallen. Er kommt immer oder rennt mit mir zusammen über den Paddock. Den Sulky zieht er auch sehr brav und scheint auch mal geritten worden zu sein. Dennoch sehe ich, dass ich im Moment vier Tiere im Stall habe, die alle beschäftigt, versorgt und natürlich auch finanziert werden müssen. Der fünfte kommt jetzt auch bald zurück und ich frage mich mittlerweile, was hat das alles noch für einen Sinn, dass ich da jeden Tag viele Stunden verbringe und sonst niemand einen Nutzen davon hat.

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