Natürlich ist eine Veränderung im Kopf auch eine Bewegung, jedoch ist für mich die geistige Anstrengung nicht Bewegung genug, um aktiv und fröhlich meinen Weg entlang zu gehen.
Bei einer PTBS kann man sich viele Gedanken machen und auch gedanklich versuchen wieder vorwärts zu kommen, jedoch ist die Komponente Körper entscheidend. Unterbewusst läuft das Gehirn in dem Trauma weiter, wenn es durch irgendetwas getriggert wurde. Dies merken wir nicht, beziehungsweise merkte ich es an dem Zeitverlust oder der Tatsache, dass ich zwischendurch neben mir stand und mich in einer Position sah, die man auch mit eingefroren beschreiben könnte. Leider ist in solchen Momenten nicht mein Mund eingefroren – meckern und Unsinn reden ging noch.
Meine Therapeutin wäre jetzt mit sich sehr zufrieden, da sie es geschafft hat, mir zu helfen, wieder ein Gefühl für meinen Geist und meinen Körper zu entwickeln. Vielleicht hat sie auch Recht gehabt, wenn sie immer wieder sagte, dass ich eine starke Frau sei.
Also habe ich das gemacht, was ich in anderer Form sonst auch gemacht habe, mich selbst aus diesem sche…. geholt.
Ich habe aktiv auf meinen Körper gehört und ihm zugehört. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich noch mehr als sonst mit mir und meinen zig Persönlichkeiten gesprochen habe, sondern dass ich darauf geachtet habe, habe ich wirklich Hunger? Welche Lebensmittel ziehen meinen Darm und damit mein Gemüt runter? Stehe ich 4:15 Uhr auf oder irgendwann? Will ich den Tag in einer Jogginghose verbringen oder in Jeans? Will ich Rücksicht auf mein Umfeld nehmen, wann ich duschen gehe oder mache ich es einfach?
Klingt jetzt alles merkwürdig, da das Dinge sind, die im Alltag nicht so im Vordergrund stehen sollten. Jedoch schaffte ich mir damit wieder ein System im Kopf und mehr Distanz zu allem anderen. Außerdem habe ich für mich festgestellt, dass ich so meinen Körper wieder in eine aktive Bewegung bekomme und so aus diesem Zustand der PTBS raus zu kommen.
Da ich 2024 durch gesundheitliche Dinge immer wieder aus meinen Sportrhytmus geholt wurde, fing ich auch hier an, mich durch tägliche deutlich kleinere Sporteinheiten wieder fitter zu machen. Die gedankliche Bewegung bedeutete Sport machen und durch den Tritt gegen meine PTBS entstand die erste körperliche Bewegung.
Dies alleine reichte aber nicht, es mussten noch mehr Veränderungen her.
Ich ging das Thema Ernährung nun ebenfalls intensiv an, denn ich spürte deutlich, dass mein Magen und Darmtrakt durch die Nahrung und teilweise zu viel Nahrung überfordert war. Also setzte ich mich mit dem Thema Fasten auseinander. Intervallfasten hatte ich schon probiert und konnte sagen, 18 Stunden sind kein Problem, dann meldet sich mein Körper.
Kasper war weiterhin bezüglich Fasten skeptisch, trotzdem wollte ich es probieren und startete den Versuch mit einer Fastenkur, die durch Säfte unterstützt wird. Diese Säfte sind aus verschiedenem Gemüse und Obtsorten zusammengestellt.
Natürlich hatte ich die Zeit des Verzichts der festen Nahrung so begonnen, dass ich nicht allein zu Hause war. Dies hatte ich extra so gemacht, damit falls etwas sein sollte, jemand zu Hause ist.
Der erste Tag war durch so starke Kopfschmerzen geprägt, dass ich bis 15 Uhr mit mir ringen musste, nicht doch etwas zu essen und aufzugeben. Gegen 20:30 Uhr, zu diesem Zeitpunkt hatte ich jetzt ca. 19,5 Stunden nur Obst/Gemüse Säfte zu mir genommen, begann mein Kreislauf aufzugeben. Ich wurde schlapp, die Beine gingen weg und ich wurde zittrig. Positiv in dem Moment war, mein Kopf war im Laufe des Tages richtig flott geworden. Dies ließ mich schnell realisieren, hier stimmt etwas nicht. Ich war so frustriert und sah Kasper an, der sehr besorgt war und sagte dann zu ihm, ich denke, ich sollte doch etwas essen.
Für mich war das wie ein Scheitern, obwohl ich weiß, dass Menschen mit einer Leberzirrhose wirklich vorsichtig sein sollten, wenn sie an ihrer Ernährung oder an der Menge der Nahrung etwas ändern. Dies wollte ich mir einfach nicht eingestehen, verstand aber nach diesem Testlauf, was die Ärzte damit nun meinten.
Ich habe dann zwei Tage mit der Saftkur weitergemacht. Tagsüber keine feste Nahrung und abends eine Mahlzeit. Ich habe in der Zeit 3 kg verloren und eine sehr schöne Haut bekommen. Durch diese Erfahrung stellte ich fest, ich muss mein Verhalten bezüglich der Nahrungsaufnahme definitiv ändern und es reicht anscheinend nicht aus, das Essen von rechts nach links zu stellen.
Ich habe mich entschlossen, das Essen mittig zu stellen und um dieses Essen Säfte zu platzieren.
Durch den Beginn dieses Experimentes stellte ich fest, dass meine Schmerzen in den Gelenken, die Wassereinlagerungen, Haut und Haare, so wie die Kopfschmerzen deutlich besser wurden. Mittlerweile haben wir einen Kühlschrank, wo extra nur diese Säfte drin sind. Kasper und ich haben uns darüber unterhalten, ob es günstiger ist, diese Säfte selbst herzustellen und kamen zu dem Fazit, wenn geht es um 5 – 10 ct Ersparnis je Getränk. Da wäre dann aber nicht die damit verbundene Arbeit mit inbegriffen.
Mittlerweile habe ich auch ein Getränk gefunden, welches unter anderem auch grünen Tee beinhaltet und mich den Tag über relativ wachhält. Aminosäuren in Form von Tabletten helfen mir zusätzlich, so dass ich deutlich besser durch den Tag komme und auch mal Dinge schaffe und mich mehr fokussieren kann.
Nun wisst ihr, warum ich im Moment aktiv bin.